Das kleine Label Raumklang ist ein großes Schatzkästchen für alle Freude Alter Musik. Nun ist dort ein weiterer Juwel erschienen, nämlich „Paris Quartets“ von Georg Philipp Telemann. Die 1730 erschienen Pariser Quartette werden von Kennern der Musik dieses Komponisten als Dreh- und Angelpunkte seines Œuvres angesehen. Und nicht nur das: Auf dieser Triple-CD werden nicht nur diese Quartette eingespielt, sondern auch die beiden Folgesuiten, die 1738 in Paris als Drucke herausgegeben wurden.
Johann Joachim Quantz resümierte 1752: „Wenn man aus verschiedener Völker ihrem Geschmacke in der Musik, mit gehöriger Beurtheilung, das Beste zu wählen weis: so fließt daraus ein vermischter Geschmack.“ Genau dieses Motto setzte Telemann in dieser Musik genial um und verband so deutsche Gelehrsamkeit, italienisches Temperament und französische Geschmeidigkeit.
Zu Recht waren die französischen Musiker wie der Flötist Michel Blavet, der Geiger Jean-Pierre Guignon, der Gambist Jean-Baptiste Forqueray und der Cellist Prinz Édouard bei der Aufführung begeistert, das Pariser Publikum nicht minder. Die Musiker hatten Telemann schon Jahre vorher eingeladen und der war 1737/1738 endlich einmal für acht Monate in die Stadt an der Seine gekommen.
Am Hof und in der Stadt war die Begeisterung groß. Telemann erhielt sogar ein königliches Privileg über zwanzig Jahre für seine neuen Quartette, was Schutz vor Raubkopien bedeutete. Er bot seine Musik per Subskription einem größeren Kreis an. Stolz vermerkte er: „... worauf in wenig Wochen 400 Exemplare vorausbezahlt wurden, welches sonst mit Musicalien noch nie geschehen war.“
Solche Musik kann man eigentlich nur mit exzellenten Musikern in der Form der historisch informierten Aufführungspraxis einspielen. Das Ensemble Barockin’ existiert seit 2011. Gegründet hat es die Flötistin Kozu Sato. Eingespielt wurden unter anderem Werke von Louis-Gabriel Guillemain und das Musikalische Opfer von Johann Sebastian Bach. Das Ensemble neben Sato mit Dmitry Lepekhov (Barockvioline), Pavel Serbin (Viola da Gamba), Felix Stross (Barockvioloncello), Robert Schröter und Veronika Braß (Cembalo) wurde für Preise nominert und von der Kritik hoch gelobt.
Herrlich, wie die Musiker auf dieser Kompilation miteinander ins Gespräch kommen. Niemand dominiert, jeder trägt einen spätbarocken Impuls zu dem auch aufnahmetechnisch äußerst gelungenen Gesamtklang bei. Für Freunde der Barockmusik ist die Anschaffung ein Muss, für alle Musikinteressierte ein wundervolles Kann.
Auch die hervorragende Ausstattung der Triple-CD mit musiktheoretischem Exkurs zu Telemann plus knappen Musikerporträts nimmt mich für diese Produktion ein. Es stimmt einmal mehr: Das kleine Label Raumklang ist und bleibt ein zuverlässiges Schatzkästchen nicht nur für Freude Alter Musik. Unter der Bestellnummer 4018767 044010 ist die Musik auch bei JPC in Hannover erhältlich.

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