Alessandro Scarlatti - Cantate da camera Vol. 2 - Emmanuelle de Negri, Philippe Grisvard

Mit über 600 Kompositionen gilt Pietro Alessandro Gaspare Scarlatti (1660–1725) zu Recht als Begründer und Vollender der italienischen Kantate, überhaupt als musikalisches Schwergewicht in der Zeit des Hochbarock in Italien. Darüber hinaus schuf er Oratorien, Opern, weltliche Vokal- und Instrumentalmusik – eine ganze Musikwelt für sich.

 

Auf der neuen, frisch erschienenen CD der Firma Audax werden fünf Kantaten Scarlattis vorgestellt, davon vier Welturaufführungen. Die Besetzung ist außergewöhnlich: Neben dem für sein Spiel im Ensemble Diderot bekannten Philippe Grisvard singt eine der wohl begabtesten Sopranistinnen unserer Zeit, Emmanuelle de Negri. Was für ein Ohrenschmaus!

 

Beide sind sorgfältige Interpreten der zum großen Teil unbekannten Kantaten. Genau wird nach den Regeln der historisch informierten Aufführungspraxis musiziert. Wie und warum, erfährt man im Booklet zu dieser Produktion, das beschreibt, wie Negri und Grisvard die Kantaten Scarlattis einschätzen und worin genau die Bedeutung der Werke liegt.

 

Dabei wählt das in vier Sprachen gehaltene Booklet eine besondere Form, nämlich die eines Dialoges. Ins Gespräch kommen die an der Aufnahme beteiligten Künstlerinnen und Künstler, die natürlich einen ganz bestimmten, teilweise durchaus praktischen Blick auf die Gestaltung ihres Parts bei den Aufnahmen haben. Hinzu tritt Xavier Carrère von Radio France, ein versierter Aufnahmebegleiter für Alte Musik.

 

In diesem Austausch wird deutlich, dass Scarlattis Kantaten in ihrer Anlage und Durchführung eigentlich Oper im Kleinen oder vielleicht auch Oratorium sind. Ganz gewiss – im Sinne Monteverdis – in der Darstellung der Affekte. Emmanuelle Negri drückt es so aus: „Man kann [bei den Kantaten, K. B.] durchaus von einem inneren Theater sprechen! Bei theatralischen Kantaten wie Alme oder Il Nerone scheint mir eine extravertierte Interpretation nahezu selbstverständlich.“

 

Es ist atemberaubend, wie gut sich die beiden Ausführenden dabei ergänzen: Emmanuel Negri mit ihrer durchaus durchsetzungsfähigen, aber eben auch textadäquat verhaltenen Sopranstimme und Philippe Grisvard mit seinem präzisen, immer zum Duett einladenden Cembaloklang. Ein Lob auch der ausgefeilten Aufnahmetechnik, die diese durchaus feinnervige Musik so ergreifend abbildet.

 

Das Booklet verschafft durch beeindruckende Fotos einen Eindruck von der Atmosphäre der Aufnahme. Diese entstand in der Zeit vom 16. bis 19. Juni 2025, im Théâtre élisabéthain du Château d’Hardelot in Frankreich. Zusätzliche Informationen sowie ämtliche Texte der Kantaten erhält man übrigens auf der Website des Verlages.

 

Die CD ist unter der Bestellnummer EAN 3760341112172 seit dem 29. Mai 2026 im einschlägigen Handel erhältlich, beispielsweise bei der Firma JPC.

 

 

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