Adriana González - Rondos für Adriana

Die einzige erhalten Abbildung der Adriana Ferrarese del Bene

Natürlich stutzt man zuerst: Wieso Rondos für Adriana? Die Aufklärung erfolgt im kenntnisreichen Booklet. Neben der heute schon gefeierten Sopranistin, die aus Guatemala stammt, dort studiert hat und später in Paris und Zürich wirkte – 2019 gewann sie den renommierten Opernwettbewerb Operalia – gibt es eine zweite Sängerin mit demselben Vornamen, nämlich Adriana Ferrarese del Bene.

 

Diese zweite Adriana war eine italienische Opernsängerin des späten 18. Jahrhunderts. Sie sang unter anderem in Wien und arbeitete dort mit dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart zusammen, der speziell für sie die Rolle der Fiordiligi in die Oper Così fan tutte hineinschrieb. Ferrarese arbeitete aber nicht nur für Mozart, sondern sang auch Stücke von dessen Zeitgenossen, beispielsweise Vicente Martín i Soler, Angelo Tarchi oder Joseph Weigl.

 

Noch eines eint die beiden Sängerinnen: Beide verstehen sich besonders auf die musikalische Gesangsform des Rondos, die aufgrund schneller Läufe und zahlreicher Verzierungen eine große Stimmbeweglichkeit voraussetzt. Das Hauptmotiv kehrt immer wieder und ist begleitet von kontrastierenden Episoden. Diese Eigenschaften sind ideal für Arien, die zum Abschluss einer Aktes oder einer Oper insgesamt gesungen werden. Muss ich betonen, dass sie daher besonders publikumswirksam sind?

 

Zweifellos gehört Adriana González, Jahrgang 1991, zu den Begabtesten ihrer Generation. Die Stimme ist beweglich, ausgesprochen rund, und so gelingen ihr immer wieder atemberaubende Kontraste. Sie besitzt Weichheit in der Höhe und einen ausgewogenen, wenn nötig auch zurückgenommenen Klang. Das macht sie zur Idealbesetzung für das Opernfach. Da verwundert es nicht, dass González außerdem als Konzert- und Liedsängerin tätig ist.

 

Es ist ein Glück, dass sie ein so wunderbares Orchester an ihrer Seite weiß. Ein deutlich erweitertes Ensemble Diderot mit Johannes Pramsohler an der Violine unter der Gesamtleitung von Iñaki Encina Oyón begleitet sie und steuert darüber hinaus zwei Instrumental-Rondos von Mozart bei. Alle Musiker sind Meister der historisch informierten Aufführungspraxis und jeder ist ein Virtuose seines Instruments. Was für ein Klang!

 

Der Text des Booklets stammt von Karl Böhmer, einem Meister der Erforschung der Musik des 18. Jahrhunderts. So werden die Zusammenhänge der Stücke – unter anderem die biografischen Details – profund und dazu in drei Sprachen beleuchtet. Die Arientexte sind selbstverständlich vollständig abgedruckt. Ulrike Rehmann und Christian Möhring haben das Booklet dazu mehr als ansprechend gestaltet, sodass das Durchblättern eine Wonne ist.

 

Diese CD ist im Januar 2026 bei Audax Records erschienen und im einschlägigen Handel unter der EAN 376034112158 erhältlich, zum Beispiel bei JPC.

 

 

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